Editorial
Sichtbar und unverzichtbar
Herausfordernde Zeiten lenken unseren Blick oft auf das, was uns trennt: unterschiedliche Arbeitsrealitäten, Erwartungen und Perspektiven.
Unterschiedliche Sichtweisen gehören zu einer lebendigen Profession und sind wertvoll. Entscheidend ist jedoch, dass wir trotz verschiedener Meinungen den gemeinsamen Blick auf das grosse Ganze nicht verlieren.
Unsere Profession lebt von ihrer Vielfalt. Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten arbeiten in grossen Zentren oder kleinen Praxen, im Akutspital, in der Rehabilitation, in der Langzeitversorgung oder bei den Patient:innen zu Hause – in städtischen Regionen ebenso wie auf dem Land. Diese Vielfalt ist keine Schwäche, sondern das Fundament einer starken und zukunftsfähigen Physiotherapie.
Was uns verbindet, ist stärker als das, was uns unterscheidet: die Überzeugung, dass Bewegung, Funktion und Teilhabe zentrale Grundlagen von Gesundheit und Lebensqualität sind. Und die gemeinsame Verantwortung, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten – unabhängig von Alter, Diagnose oder Wohnort.
Die Physiotherapie hat in den vergangenen Jahren an Sichtbarkeit, Anerkennung und Bedeutung gewonnen. Patientinnen und Patienten, Politik, Gesundheitsinstitutionen und andere Gesundheitsberufe erkennen zunehmend, welchen Beitrag wir zur Gesundheit, zur Selbstständigkeit und zur Lebensqualität der Bevölkerung leisten. Darauf dürfen wir stolz sein. Gleichzeitig ist diese Entwicklung Ansporn, unseren Beruf weiterhin aktiv mitzugestalten und seinen Stellenwert sichtbar zu machen.
Aktuell stehen wir vor wichtigen berufspolitischen Herausforderungen. Die Diskussionen rund um Tarife, die Weiterentwicklung der Versorgung und die zukünftige Rolle der Physiotherapie lösen Fragen und teilweise auch Unsicherheit aus.
Die Herausforderungen der Zukunft werden wir nicht als Einzelne bewältigen. Sie verlangen Zusammenarbeit – innerhalb der Physiotherapie ebenso wie mit unseren Partnerinnen und Partnern im Gesundheitswesen. Gefragt sind Dialog statt Polarisierung, Respekt statt Gegensätze und die Bereitschaft, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Die Weichen für die Zukunft der Physiotherapie werden in den kommenden Monaten in den Kantonen gestellt. Gemeinsam mit Physioswiss setzen wir uns auf politischer Ebene dafür ein, dass die unverzichtbaren Leistungen der Physiotherapie endlich auch in den Tarifstrukturen angemessen abgebildet werden.
Umso wichtiger ist es, dass wir als Profession geschlossen auftreten. Nicht, weil wir alle dieselben Interessen oder Arbeitsrealitäten haben, sondern weil wir ein gemeinsames Ziel verfolgen: eine qualitativ hochwertige, zugängliche und zukunftsfähige physiotherapeutische Versorgung für die Bevölkerung.
Mit der nationalen Kampagne und den kantonalen Petitionen setzt Physioswiss ein Zeichen für sachgerechte Tarife. Sie bietet uns allen die Möglichkeit, unsere Anliegen sichtbar zu machen und den politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern aufzuzeigen, dass die Physiotherapie ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung ist.
Jede Unterschrift stärkt dieses Anliegen. Jede Unterstützung trägt dazu bei, dass unsere Stimme gehört wird. Und jede Stimme erinnert daran, dass die Physiotherapie weit über die Interessen unseres Berufsstandes hinaus wirkt – sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung.
Nutzen wir die Vielfalt unserer Profession als Stärke und setzen wir uns gemeinsam für die Rahmenbedingungen ein, die eine starke Physiotherapie auch in Zukunft ermöglichen.
Sichtbar und unverzichtbar.